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News: Winterzeit ist Bauzeit: Die „Frische Brise“ gibt es nicht mehr

Beigetragen von S.Erdmann am 12. Dez 2020 - 16:32 Uhr

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Seit einigen Tagen finden umfangreiche Arbeiten im Haus „Wilhelmstraße 44“ statt. Hier wird das ehemalige Büro der Immobilienfirma Engels & Völker und die frühere Kneipe „Frische Brise“ ausgeräumt und total entkernt. Während das Immobilienbüro einen neuen Standort in der Strandstraße bekam (im ehemaligen Friseursalon Hahn), gibt es für die Gaststätte keinen Ersatz, und wieder verschwindet ein Teil der Juister Geschichte.

Bereits in den 60er Jahren gab es die Kneipe, untrennbar ist diese mit der Wirtin Marga Graf – später Marga Palluck – verbunden. Zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Anselm Graf führten sie erst in Aurich ein Restaurant (ein altes Bild davon hing die ganzen Jahre bis zuletzt in der Brise, es ist auf einem Foto zu sehen, wo es auf dem Müllwagen steht), nach der Scheidung ging Anselm auf die Nachbarinsel Norderney. Da er ein hervorragender Koch war, war sein Restaurant „Le Pirate“ jahrzehntelang eine der ersten Adressen für gutes Essen.

Marga Graf hingegen führte die „Frische Brise“, und unter ihrer Regie wurde aus dem Lokal, das mundartlich als „Kutscherkneipe“ mit recht rüdem Umgang verschrien war, eine anerkannte und gemütliche Gaststätte, wo sich Insulaner, Personal und Gäste zum Feierabendbier, gemütlichen Beisammensein am Abend oder zum Frühschoppen am Sonntagmorgen trafen. Es gab einen Sparclub, und eine große Juister Stammkundschaft bescherte Marga auch im Winter abends immer einen vollen Tresen und auch in der ruhigen Zeit ein gutes Auskommen. Später heiratete sie den Polizeibeamten Wilfried Palluck, der auf Juist oft als Vertretungspolizist Dienst tat. Nach Ablauf des Pachtvertrages wollte Marga zu ihrem Mann, dessen Pension ebenfalls anstand, nach Osteel ziehen.

Doch es kam anders, plötzlich und unerwartet verstarb Wilfried Palluck im März 1997 Marga entschloss sich daher, die „Frische Brise“ noch eine Zeit lang weiter zu führen. Zwei Jahre noch machte sie bis 1999 weiter, insgesamt 34 Jahre hatte die Vollblutgastronomin das Lokal geführt. Ihren Ruhestand verbrachte sie bis zu ihrem Tode im September 2014 auf der Insel Juist, beigesetzt wurde sie dann neben ihrem Mann in Osteel.

Zeitweise war das Lokal nach Margas Zeit geschlossen, dann wurde es von wechselnden Mitarbeiterinnen der Familie Heyken weitergeführt. Da die Zukunft der Kneipe so unklar war, wurde der Sparklub aufgelöst. Bis heute treffen sich aber die ehemaligen Mitglieder immer noch einmal im Jahr zum Grünkohlessen. Ab ca. 2005/2006 kam dann Peter Siegert, der allgemein nur unter seinem Spitznamen Waldi bekannt war. Erst war er angestellt, später wurde er dann Pächter der Kneipe. Insider sprachen in dieser Zeit bei der Brise auch von "Walditown". Am 28. September 2017 endete leider ganz abrupt der Gaststättenbetrieb, weil Waldi hinter dem Tresen zusammenbrach, einen Tag später ist er dann verstorben.

Seitdem war die Brise dicht. Es wurde immer wieder gesagt, die Kneipe soll bleiben, es wird ein neuer Pächter gesucht, aber so ganz viel war nicht mehr zu hören, zumal die Besitzerin auf dem Festland lebt. In jedem Fall passierte nichts mehr in der Richtung.

Mehr dazu weiß Marie-Luise Stolper. Die ehemalige Juisterin – Tochter des legendären Wattführers Alfred Behring und Schwester vom jetzigen Wattführer Heino – die heute in Norden lebt, war viele Jahre mit Gerhard Heyken eng befreundet und hatte sich auch um die Belange von dessen Betrieb gekümmert. Stolper: „Das Haus selbst gehörte einst Meta und Johann Heyken. Nach dem Tod von Johann Heyken war es im alleinigen Besitz seiner Frau Meta. Ihr Sohn Gerhard war zu den Lebzeiten Metas der Niessbraucher.“ Später wurde es dann von Meta Heyken auf ihre Tochter Helga Tammen übertragen. Sie und ihre Kinder haben das Objekt dann im vergangenen Jahr verkauft. Vom aktuellen Umbau ist der Germania-Fahrradverleih der Firma Melching übrigens nicht betroffen. „Die übrigen Gebäude auf dem Grundstück und die Fläche vom Fahrradverleih sind nach dem Ableben von Gerhard Heyken weiterhin im Besitz seiner vier Kinder und in meinem Niessbrauch“, so Stolper.

In dem Haus hatte die Spedition HUF bereits seit 2017 Wohnungen für ihre Mitarbeiter angemietet, so Nadja Tschovikov, eine der beiden HUF-Geschäftsführerinnen. „Gegen Ende 2019 hat die damalige Besitzerin das Haus an die Familie Braun veräußert, welche auch Gesellschafter der HUF Spedition sind“, so Tschovikov auf Nachfrage von JNN. Und weiter heißt es: „In diesem Jahr wollen wir das Haus renovieren bzw. sanieren; über die Jahre ist das Gebäude leider stark vernachlässigt worden. Hier entsteht langfristig Dauerwohnraum, der in erster Linie für Mitarbeiter der HUF Spedition genutzt werden soll.“

Unsere Fotos zeigen den Demontage und Entfernung der Kneipeneinrichtung, kurz nach der Entstehung der Fotos wurde der Tresen entfernt. Die letzten beiden Bilder sind Archivfotos. Das vorletzte Bild zeigt den letzten Wirt Peter „Waldi“ Siegert; das letzte Foto entstand 1997 mit Wirtin Marga Palluck hinter dem Tresen, wo sie 34 Jahre lang tätig war.

JNN-FOTOS: STEFAN ERDMANN
JNN-ARCHIVFOTOS: MARTINA BECKER, STEFAN ERDMANN

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