Newsbeiträge

News [1]

News: Treibholz, Fender und Ansichtskarten gehören für Tim Köhler zusammen

Beigetragen von S.Erdmann am 16. Aug 2026 - 16:05 Uhr

Bild 0 von Treibholz, Fender und Ansichtskarten gehören für Tim Köhler zusammen [2]

Man sagt, Männer sind „Sammler und Jäger“ und wenn das bei einem Juister Mann zutrifft, dann auf Tim Köhler. Was man auf seinem Hof in der Hammerseestraße findet und auch oben in seinem Ausstellungsladen (früher „Studio Güst“) im „Haus des Kurgastes“, welchen er zusammen mit Manfred und Martina Bone betreibt, kann sich sehen lassen. JNN hat ihn besucht und mit ihm über seine Sammelleidenschaft gesprochen.

Den Hof voller Fender, Tauwerk, Treibholz und anderes Strandgut, im seinem Haus Schuhkartons und Ordner mit alten Ansichtskarten, Flaschen und Muscheln, ein Wohnzimmertisch, der aus einem Hummerkorb hergestellt ist, darüber eine Lampe die früher über dem Stammtisch der Juister Kneipe „Börnies“ hing, an der Wand ein Holzschild, dass einst auf dem Juister Bahnsteig stand und die Schiffsabfahrten der Woche mit Kreide eingetragen waren. Dazwischen versteinerte Kiefern von Schellfischen, die er am Strand fand und rund 60.000 Jahre alt sind. Im vergangenen Winter holte er einen alten Sauerstofftank, den englische Bomberpiloten im 2. Weltkrieg nutzten und eine große Glasflasche vom Schuttwagen, kürzlich die Rest einer Messstation vom Strand. Und Köhler recherchiert, was er da gefunden hat, die Glasflasche wurde um 1880 in Amsterdam hergestellt. Alles sorgsam aufgebaut auf der Werkbank der ehemaligen Tischlerei von Wilhelm Kleen. „Eigentlich könnte ich hier ein Mini-Museum eröffnen,“ stellt Tim Köhler für sich fest.

Wie begann alles mit dem „Beute machen“, wie Köhler es selbst nennt? „Schon als Kind ging es los, Sperrmüllabfuhrtage waren immer ein Graus für meine Eltern, weil ich immer etwas anschleppte,“ erzählt er. Das war noch in Leese (Landkreis Nienburg), wo er, 1974 in Hannover geboren, aufwuchs. Schon seit frühester Kindheit ging es mit der Familie im Urlaub nach Juist, es folgten Ferienjobs bei der damaligen Spedition Jüchter und 1994/95 dann Zivildienst auf Juist. Köhler fuhr dem damaligen Pferdebus zum Kindergarten und unterstützte die Gemeindeschwester bei der Altenpflege. In der Freizeit natürlich an den Strand, „Beute machen“.

Nach einer Ausbildung zum Physiotherapeuten in Wilhelmshaven zog Tim Köhler im März 1999 endgültig auf seine Insel, wo er später eine Juisterin heiratete, im Jahr 2007 eine eigene Praxis einrichtete, und im Ortsteil Loog ein Haus kaufte. Die Praxis passt ins Bild, mit viel Holz und maritimen Exponaten gefüllt, im Mittelpunkt ein riesiges Holzmodell des im August 1976 vor Juist gestrandeten Dreimasters „Lita“, dazu eine Sammlung von rund 300 aufgearbeiteten Pfeifen aus Dänemark. „Ich liebe Holz und gerade das Holz dieser Pfeifen ist ein wunderschönes Material,“ so Köhler.

Seine Liebe zu Holz und zu alten Dingen, alles ist miteinander verbunden, so Köhler. Er liebt es, morgens früh und wenn es mit der Tide passt über den Strand zu fahren und nach Strandholz zu suchen, inzwischen hat er auch eine Treibholzmanufaktur und stellt daraus wahre Kunstwerke daraus her. Nicht immer treibt Holz an, dann nimmt er gerne angetriebene Fender mit. Im Fahrradkorb dabei ist auch Dackel Ruby, welcher derzeit eine „Ausbildung zum Fender-Spürhund“ macht.

Früher trieben weniger Fender, Netzkugeln usw. an, aber es ist mehr geworden. Netzkugeln bestehen heute meist aus Hartplastik und dienen dazu, die Netze während des Fangs offen zu halten. Fender bestehen aus weichem Kunststoff, Gummi usw. und dienen in erster Linie dazu, Schäden an Schiffen oder Booten zu vermeiden,wenn diese Anlegen oder am Kai, Stegen, aber auch anderen Schiffen liegen. Oft stehen Fischereikennzeichen darauf und im Internet findet er dann die Kutter heraus. Man hat inzwischen an den vielen Steinschüttungen für die Offshore-Windräder Hummer ausgesetzt, der sich dort sehr vermehrt hat und auch gefischt wird. Die Hummerkörbe werden ebenfalls mit Fendern markiert, durch Sturm und Seegang können sie öfters mal verloren gehen und treiben dann an. 285 Exemplare hat Köhler inzwischen in seinem Garten, dazu entsprechend viel Tauwerk. Der größte Kugelfender hat einen Durchmesser von 2,1 Metern.

Die Wand mit den meist orangen Fendern in seinem Garten stellt ein beliebtes Fotomotiv für Gäste dar. Inzwischen gibt es auch viele Gäste und Insulaner, die ihn informieren, wenn irgendwo Fender oder interessantes Holz angetrieben ist. Er hatte sogar mal eine Aktion am Strand gestartet, wo es für aufgesammelte und abgegebene Fender ein kleines Souvenir gab. Natürlich selbstgemacht, aus Strandholz mit aufgedruckten Buchstaben. Auch dieser Satz ein Sammlerstück, hatte damit vor Computer und Drucker schon der Pressehandel Poppinga seine Schilder über die Ankunftszeiten der Tageszeitungen hergestellt. Die Aktion am Strand motivierte die Gäste auch dazu, nicht nur Fender, sondern auch sonstigen Müll am Strand aufzusammeln, womit die Aktion auch einen nachhaltigen Effekt hatte.

Köhler geht davon aus, dass er die größte Sammlung davon in der Deutschen Bucht hat. Zwar gibt es auch auf den anderen Inseln Sammler, besonders auf Texel gibt es viele „Jütter“ (so nennt man dort die Leute, die den Strand nach Beute absuchen), aber wohl kaum einer hat so viele Fender wie er. „Ich überlege, mich damit beim Guinness-Buch der Rekorde anzumelden,“ überlegt Köhler.

Abgesehen davon, dass auch Papier und Pappe aus Holz entsteht, gibt es eine weitere Leidenschaft von Köhler: Das Sammeln alter Postkarten von Juist. Alt, das heißt, es gibt kaum Farbpostkarten, die ab den 60er Jahren verstärkt produziert werden, sondern mehr die Schwarzweißkarten davor und die alten Lithographien, Kabinett- und Mehrbildkarten oder Colorierte Karten, die um 1900 herum mit dem Aufschwung des Inseltourismus üblich waren. Das Versenden von Ansichtskarten war die einzige Möglichkeit, Freunden und Verwandten einen Feriengruß zukommen zu lassen. Die Auswahl war gewaltig, jeder größere Vermietbetrieb ließ damals seine eigenen Karten drucken.

Ob Internet, Ebay, Flohmärkte, Gespräche mit anderen Sammlern, die Wege zu den Karten sind vielfältig. „Auf einem Flohmarkt in Oldenburg kaufte ich im Jahr 2000 die ersten sechs Karten,“ erinnert sich Köhler. Vor einigen Jahren hatte er das Glück, bei Ebay einen angebotenen Dachbodenfund aus Wilhelmshaven komplett zu einen annehmbaren Preis zu erwerben. Es stellte sich dann raus, dass war die verschollene Sammlung des von Juist stammenden Hamburger Fotografen Achim Conring, der bis zu seinem Tod rund 2.000 Juist-Karten zusammengetragen hatte. Ein einmaliger Glücksfall nennt Köhler das. Damit wuchs dessen seine Sammlung auf jetzt rund 5.000 Karten an. Darunter auch besondere Dinge, so ein Fehldruck, wo die Karte mit „Ostseebad Juist“ bedruckt wurde. Im Jahr 2014 gab es sogar mal eine Ausstellung im Alten Warmbad auf Juist, die vom damaligen Museumsleiter Hans Kolde ausgerichtet wurde und wo rund 350 Karten zu sehen waren.

Inzwischen hat Köhler und seine Treibholzmanofaktur auch eine gewisse Bekanntheit erreicht, er schaffte es damit sogar in TV-Sendungen die den "Nordseereport" vom NDR und in diverse Tageszeitungen. Gerne würde er mal wieder eine Ausstellung machen und einen Teil seiner Schätze zeigen. Aber nun passt erst mal die Tide, jetzt geht es es zum Strand: „Komm Ruby, Beute machen!“

Unsere Fotos zeigen Tim Köhler in seinem Museumszimmer, die Alben mit den alten Ansichtskarten von Juist, Strandholz und Tauwerk in seinem Garten, die beeindruckende Sammlung von Fendern und Netzkugeln, den "Fender-Spürhund in Ausbildung" Ruby bei einer schöpferischen Pause und den mobilen Stand seiner Treibholzmanufaktur. Diese Aufnahme entstand kürzlich beim „Tag der Retter“ am Hafen. Das letzte Foto ist vom Januar 2014 und wurde bei der Eröffnung der Ausstellung mit Ansichtskarten im Alten Warmbad aufgenommen. Links Tim Köhler (damals noch ohne Bart), rechts der damalige und inzwischen verstorbene Ausstellungsleiter Hans Kolde.

TEXT UND FOTOS: STEFAN ERDMANN

 
Links
  1. https://www.juistnews.de/https://www.juistnews.de/artikel/view/Main/News/
  2. https://www.juistnews.de/newsbilder/pic_sid9586-0-norm.jpg
  3. https://www.juistnews.de/https://www.juistnews.de/Printer/artikel/2026/8/16/treibholz-fender-und-ansichtskarten-gehoren-fur-tim-kohler-zusammen/
  4. https://www.juistnews.de/https://www.juistnews.de/artikel/displaypdf/2026/8/16/treibholz-fender-und-ansichtskarten-gehoren-fur-tim-kohler-zusammen/