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News: Eine Klassenfahrt ins Ungewisse

Beigetragen von JNN am 22. Sep 2026 - 23:32 Uhr

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Es ist schon eine kleine Weile her und doch immer noch so präsent, als sei es gestern gewesen. Vor kurzem – vom 18. bis 29. August 2026 - machte sich die Klasse 9/10 der Inselschule Juist unter der Leitung des Jugendoffiziers Hauptmann Schewiola gemeinsam mit den Lehrkräften Gerrit Schlauwitz und Ulrich Borchers auf eine Klassenfahrt ins Ungewisse.

Jeder kannte das Ziel, nämlich die Panzerlehrbrigade 9 in Munster, doch keiner konnte sich so richtig vorstellen, wie es sein würde, mitten unter Soldatinnen und Soldaten in einer Kaserne drei Tage und zwei Nächte zu verbringen. Am Tag der Abfahrt standen wir demzufolge mit einem kleinen Fragezeichen auf der Stirn am Anleger, bestiegen den Inselexpress und fuhren nach Norddeich. Auf dem Festland angekommen, bestiegen wir den dort wartenden großen Bus, der uns von der Bundeswehr kostenlos zur Verfügung gestellt worden war und fuhren mit diesem nach Munster. Drei Stunden später erreichten wir die Kaserne, wurden dort sehr herzlich begrüßt und erhielten die Zimmerschlüssel für die Stuben. Ein wenig Skepsis, Nervosität, Unsicherheit machten sich breit, denn es war keine Jugendherberge, sondern wir waren mit aktiven Soldatinnen und Soldaten in einem Gebäude untergebracht. Es gab nach Geschlechtern getrennte Waschräume, Toiletten und Gemeinschaftsduschen- nicht für jeden etwas, aber so konnte jeder erleben, wie es ist, in einer Kaserne der Bundeswehr untergebracht zu sein. Nach dem Abendessen in der Kantine nahmen wir im Halbdunkel an einem Appell teil und standen in Dreierreihen mitten unter den Soldaten. Im Anschluss daran erhielten wir durch Oberstabsfeldwebel Jahnke Informationen über den Standort und die Einheiten, die zurzeit auf dem Truppenübungsplatz anwesend waren und dort übten.

Nach einer für den einen oder anderen kurzen Nacht ging es am Mittwoch nach dem Frühstück in einen Seminarraum. Dort saßen wir im Halbkreis und erwarteten den Brigadegeneral Behrenz. Unsicherheit machte sich breit, denn wie begegnet man einem so ranghohen Offizier? Aber die Sorgen waren völlig unbegründet. Er berichtete unter anderem von seinen Erfahrungen als Soldat in Afghanistan, von seiner Einstellung zu einem Pflichtjahr für alle im Alter von 18-35 Jahren und stellte sich anschließend fast eine Stunde den Fragen der Schülerinnen und Schüler, die diese im Politikunterricht bei Schulleiter Schlauwitz vorbereitet hatten.

Der weitere Tagesablauf war sehr spannend. Ausgestattet mit einem Lunchpaket fuhren wir mit zwei Vans auf das Gelände des Truppenübungsplatzes in Bergen. Es gab dort einen Einblick, wie auch Soldaten den Ernstfall trainieren müssen. Wir beobachteten aus sicherer Entfernung Schießübungen mit dem G 36 und dem Schützenpanzer Puma und uns wurde gezeigt, wie Soldaten das Werfen einer Handgranate üben müssen. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Kaserne ging es dann am Abend noch einmal hinaus auf den Truppenübungsplatz. Dort konnten wir mit eigens für uns organisierte Nachtsichtgeräten das Gelände überblicken und dem Nachtschießen des Puma sowie des G 36 beiwohnen. Nach dieser Übung wurden wir gegen Mitternacht noch mit einer leckeren Suppe versorgt, deren Einnahme jedoch Schwierigkeiten bereitete, da wir kein Essbesteck dabei hatten – doch man konnte sie auch aus Bechern trinken. In der Nacht fielen wir erschöpft in die Betten. Am nächsten Tag gab es nach dem Frühstück noch eine Erklärung, was ein Soldat an Kleidungsstücken bei sich tragen muss: Uniform, Splitterschutzweste, Rucksack, Atemschutzmaske, Patronenmagazine und noch einige andere.

Die Zeit verging wie im Fluge. Zum Abschied gab es noch ein Erinnerungsfoto vor dem Boxer. Auf dem Heimweg legten wir aber noch einen zweistündigen Zwischenstopp im Panzermuseum ein, ehe wir nach drei Stunden Busfahrt den Hafen von Norddeich und eine gute Dreiviertelstunde später Juist erreichten.

Die Schülerinnen und Schüler waren von diesem Ausflug mehr als begeistert. Es gab nur positive Feedbacks. Sie hatten sich die Bundeswehr völlig anders vorgestellt. Überrascht waren sie vor allem darüber, dass die Soldatinnen und Soldaten Menschen wie du und ich sind, keine Kampfmaschinen wie in Filmen, sondern Individuen mit Gefühlen, Ängsten, Sorgen und dem Wunsch nach Frieden, denn keiner von ihnen möchte von seinen Fähigkeiten Gebrauch machen müssen, aber wenn es darum gehe, die Demokratie zu verteidigen, stünden sie bereit.

Es ist in der Tat so. Was wäre die Welt schön, wenn es keine Waffen gäbe. Aber so, wie es schon in einer Familie oder zwischen Partnern auf der kleinen Bühne Streit gibt, gibt es auf der großen Weltbühne leider auch Konflikte und vor allem Menschen, die anderen Menschen Böses wollen. Besonders beeindruckend waren zwei Zettel, die handschriftlich verfasst im Panzermuseum ausgestellt waren. Auf dem einen Zettel stand: „Panzer sind keine Kriegsmaschinen, sondern sie beschützen die Menschen und geben dem Land und dem Volk Sicherheit.“ Auf dem anderen Zettel die Fragen:„Wie viele Menschen wurden durch diese Maschinen getötet? Und wie viele gerettet oder geschützt? Ist die Bilanz positiv?“ Interessante und zur Diskussion anregende Gedanken.

Wenn alle Menschen respektvoll miteinander umgehen würden, bräuchten wir keine Waffen und keine Soldaten. Leider sieht die Realität jedoch anders aus. Das Gedicht „Bewaffneter Frieder“ von Wilhelm Busch bringt es treffend zum Ausdruck. Wir müssen uns vor möglichen Angriffen schützen ohne selbst anzugreifen und breit sein, unsere Demokratie und die damit verbundenen Grundrechte zu verteidigen, denn eine Diktatur wie 1933 - 1945 in Deutschland und 1945 – 1989 in der DDR sollte sich niemals wiederholen.

Der Ausflug zur Panzerlehrbrigade 9 war für alle, sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler außerordentlich informativ und lehrreich. Durch diesen Blick in das Innere einer Truppe der Bundeswehr konnten Unsicherheiten der Schüler gegenüber der Bundeswehr abgebaut werden.

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die für die Organisation dieser drei Tage verantwortlich gewesen sind, allen voran Herrn Oberstabsfeldwebel Jahnke, dem Jugendoffizier Raphael Schewiola und nicht zuletzt Brigadegeneral Behrenz. Ein Dankeschön auch an den Busfahrer und die Fahrer der Vans, die uns sicher von A nach B brachten sowie auch ein großer Dank an die Reederei Norden-Frisia für die kostengünstige Hin- und Rückfahrt.

TEXT: GERRIT SCHLAUWITZ
BILDER: OBERSSTABSFELDWEBEL JAHNKE

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