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Rat und Verwaltung

Juister Hafen gehört in Landeshände überführt

Eingereicht von S.Erdmann am 11. Jan 2016

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Zum Auftakt des neuen Jahres trafen sich die Juister am Sonntagvormittag zum Neujahrsempfang der Inselgemeinde im Trausaal vom Alten Warmbad. Die Hausmeister vom „Haus des Kurgastes“ hatten wieder alles hervorragend organisiert und einen Sektstand aufgebaut, und die Mädels von der Cheerleader-Gruppe kümmerten sich um die Gäste. Unter den Gästen waren auch die beiden Juister Ehrenbürger Hans Kolde und Johann Wübben.

Bürgermeister Dietmar Patron begann seine Ansprache mit dem Thema, das im Moment in ganz Deutschland in aller Munde ist, nämlich die großen Flüchtlingsströme auf der Welt. Patron: „Wir alle sind betroffen von den Geschehnissen, die niemanden unberührt lassen können. Niemand von uns hätte es für möglich gehalten, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen und sich unter menschenunwürdigen Bedingungen auf eine Flucht voller Gefahren machen, um sich in einer völlig fremden Welt eine neue, sichere Bleibe zu suchen.“

Im Mittelpunkt stand aber der Jahresrückblick für die Insel, wo Patron alle Probleme ansprach, angefangen mit dem Ausverkauf der Insel. Dieser und damit einhergehend die Verknappung an Dauerwohnraum finde weiter statt. Patron: „Das Bild unserer Insel hat sich auch im letzten Jahr wieder stark verändert. Zum Beispiel im Ostdorf oder auch auf der Billstraße mussten alte Juister Häuser neuen Appartementanlagen weichen. Durch die vom Gemeinderat erlassene Veränderungssperre und daraus folgend die Neuaufstellung der Bebauungspläne konnten und können wir dieser schwierigen Situation nur bedingt Einhalt gebieten.“ Derzeit würde man Baugenehmigungen nur erteilen, wenn auch Dauerwohnraum eingeplant sei.

In diesem Zusammenhang merkte der Bürgermeister noch an, dass im Entwurf des neuen Bebauungsplanes Billstraße/Siedlung nun auch die von ihm geforderten Grundstücke zwischen dem Seeferienheim und der Siedlung eingeplant worden sind. Diese werden nach sozial verträglichen Kriterien für diejenigen Insulaner bestimmt sein, die auf Juist ihre Zukunft sehen. „Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Verkauf von Grundstücken an Einheimische im Loog und dem jetzigen Weiterverkauf nach Ablauf der Bindungsfrist kann nach meiner Auffassung für die Vergabe dieser Grundstücke ausschließlich das Instrument der Erbbaupacht greifen“, so Patron.

Die Betreuung der Kleinsten auf Juist konnte nun durch die Fertigstellung und Inbetriebnahme des neuen Kindergartens nahezu rundum gesichert werden, so ein weiteres Thema. Patron: „Ich sage bewusst nahezu, da es eine Lücke noch gibt. Das ist die Betreuung der Grundschulkinder an Nachmittagen. Ab der 5. Klasse ist dies durch die Schaffung der Ganztagsschule gesichert.“ Derzeit würden Gespräche geführt, und man plant, die Lücke durch den Einsatz von Teilzeitpersonal des Kindergartens zu schließen.

„Die Bewirtschaftung des Juister Hafens, der sich als einziger der Niedersächsischen Inseln in Gemeindehand befindet, stellt uns vor erhebliche Probleme“, ging der Verwaltungschef das nächste Sorgenkind der Inseln an: „Nicht nur die laufende Unterhaltung sondern auch die schrittweise Erneuerung zum Beispiel der Spundwände oder Hafenflächen reißt große Löcher in die Gemeindekasse. Es ist daher für mich unerlässlich, diesen Hafen in Landeshände zu überführen. Dort sind behördliche Strukturen vorhanden, die eine Verwaltung des Juister Hafens erheblich erleichtern und professionalisieren würden. All das kann eine kleine Verwaltung wie die unsere schlicht nicht leisten!“ Er habe bereits am Rande des Seebad-Jubiläums mit Minister Lies über den Wunsch der Übernahme durch das Land gesprochen und dieses auch in verschiedenen Behördengesprächen immer wieder zum Ausdruck gemacht. Natürlich waren die Reaktionen nicht überschwänglich, aber die Notwendigkeit des Handelns wurde übereinstimmend gesehen. Von eminenter Wichtigkeit sei auch das Ausbaggern vor dem Saisonbeginn.

Weitere Themen waren das Jubiläum 175 Jahre Seebad Juist, der Zusammenschluss der sieben Inseln und der Stadt Norden zum „Wattenmeer-Achter“, der eine förderungswürdige Leader-Region bildet, und der Gewinn des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. Ein besonderer Dank für seine Arbeit in diesem Bereich galt hier Thomas Vodde, der der Erfinder dieser einmaligen Idee war und das Projekt mit sehr viel Herzblut weiter vorangetrieben hat.

Patron ging auch darauf ein, dass er nach Ende seiner Amtszeit zum 30. November nicht wieder kandidieren würde. Nach 31 Jahren im Juister Rathaus sei es Zeit für neue Herausforderungen. Dabei würde am 11. September nicht nur ein neuer Bürgermeister, sondern auch der Gemeinderat neu gewählt. Er wünsche sich hierfür eine große Zahl von Bürgern, die sich als Kandidaten oder Kandidatinnen hierfür zur Verfügung stellen.

Der letzte Punkt betraf die Ereignisse der vergangenen Woche, wo die Silvestergäste witterungsbedingt einige Unbilden bei der Rückreise hatten: „Trotz widrigster Umstände ist es in den vergangenen Tagen gelungen, all unsere Gäste unbeschadet aufs Festland zurückzubringen. Für das große Engagement möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Reederei Norden Frisia danken und hier besonders der Geschäftsstelle Juist und den Besatzungen der Frisia II, VI, IX, X und XI, die, wenn es möglich war, zu den unmöglichsten Zeiten die Abfahrten von Juist gewährleisteten.“ Doch auch den Mitarbeitern der Kurverwaltung und des Bauhofes dankte Patron ebenso wie der Feuerwehr, die die Gäste vom Loog über spiegelglatte Straßen zu den frühmorgendlichen Abfahrten brachte. Ein Lob ging auch an das Hotel „Friesenhof“, dass die Gäste, die bei der ersten Abfahrt trotz fünf Schiffen nicht mehr mitkamen, mit heißen Getränken und einem Frühstücksbuffet versorgte.


Beim Neujahrsempfang werden immer ein oder mehrere Juister Bürger oder Vereine für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, so auch in diesem Jahr. Marketingleiter Thomas Vodde hatte diesmal die Aufgabe übernommen und überreichte dem Herstellungsteam vom „Strandlooper“, bestehend aus Heike Peters, Hans Kolde. Michael Bockelmann und Thomas Koch, entsprechende Ehrenurkunden der Gemeinde.

„Der Strandlooper ist auf Juist einfach unverzichtbar, er ist ein wichtiger Reisebegleiter für jeden Gast“, so Vodde. Die Erstellung eines solchen Druckwerkes erfordert immer viel Zeit, und alle Gewinne aus dem Produkt fließen der Juist-Stiftung zu. Zugleich dient das Heft als Werbeträger für viele Inselbetriebe. Zur Produktion des Büchleins mit dem großen Veranstaltungs-Kalender, lesenswerten Artikeln und alles Wissenswerte über die Insel wurde 2008 eine GmbH gegründet. Vorher erstellte der Verlag „Alt Juist“ das Druckwerk, musste dieses aber nach „tollen Erlebnissen mit dem Finanzamt“ aufgeben.

Die Sache mit dem Gewinn und der Juist-Stiftung klappte indes nur die ersten zwei Jahre, als dann die Druckerei Soltau in Norden aufhörte, kam es zu einer erheblichen Verteuerung der Druckkosten bei gleichzeitigem Rückgang des Anzeigenaufkommens. Vodde: „Ohne ehrenamtliche Arbeit könnte der Strandlooper heute nicht mehr überleben.“ Die Kurverwaltung sei froh, ihren Gästen das Heft weiterhin kostenlos anbieten zu können.

Thomas Koch erinnerte noch einmal daran, dass Reiner Behrends als damaliger Vorsitzender vom Heimatverein die Idee zu dem Projekt hatte und dieses durch die Gründung von „Alt Juist“ angeschoben hatte. Michael Bockelmann wünscht sich zukünftig wieder ein erhöhtes Anzeigenaufkommen. Der „Strandlooper“ würde vom Inselgast den ganzen Urlaub über genutzt, deshalb, deswegen hätten Juister Betriebe damit eine ideale Plattform, um vor Ort für sich zu werben.

Das Foto oben und auf der Startseite zeigt (v.l.n.r.) Marketingleiter Thomas Vodde, das Strandlooper-Team Thomas Koch, Michael Bockelmann, Heike Peters und Hans Kolde, rechts Bürgermeister Dietmar Patron.

Ein weiteres Foto zeigt den Bürgermeister bei seiner Neujahrsansprache, das dritte Bild ist ein Blick in die Zuschauerreihen im Trausaal.

JNN-FOTOS (3): STEFAN ERDMANN

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