Juist Impression

Newsbeiträge

Freiwillige Feuerwehr

Freiwillige Feuerwehr: Abschied vom alten Löschgruppenfahrzeug LF 8/6

Beigetragen von S.Erdmann am 12. Mai 2026 - 21:38 Uhr

Bild 0 von Abschied vom alten Löschgruppenfahrzeug LF 8/6

Nach 26 Jahren treue Dienste bei der Juister Feuerwehr verließ am Montagabend das alte Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 endgültig die Insel. Es wurde kürzlich durch einen Neubau ersetzt (wir berichteten) und ausgemustert. Allerdings wird es weiterhin im Einsatz sein, denn für 53.000 Euro hat die Gemeinde Sievershütten im Landkreis Segeberg (Schleswig-Holstein) das Fahrzeug erworben.

Der Verkauf eines Fahrzeuges hatte nur wenige Wochen gedauert, die Anschaffung damals sehr viel länger. Sieben lange Jahre lag der damalige Gemeindebrandmeister Gerd Rose Rat und Verwaltung in den Ohren, einen Ersatz für das alte Fahrzeug anzuschaffen. Im Jahr 2000 war es soweit, das Fahrzeug war 27 Jahre alt, musste zum TÜV und Reparaturen von rund 30.000 Mark waren unumgänglich. Das war dem neuen Kur- und Gemeindedirektor Karl-Josef Wederhake zu viel, und da diese Spezialfahrzeuge eine Lieferzeit von mehr als einem Jahr hatten, fand er eine andere Lösung: Bei der Firma Schlingmann, einer der führenden Hersteller von Löschfahrzeugen in Deutschland, stand in Dissen ein Vorführfahrzeug zum Verkauf. Dieses war vorher auf Feuerschutzmessen in Augsburg und in Frankreich gezeigt worden und konnte nun für 362.000 Mark von der Inselgemeinde Juist übernommen werden. Zusammen mit dem damaligen Kreisschirrmeister der FTZ Norden, Karl Kettler, fuhren die Feuerwehrmitglieder Gerd Rose, Gerd Hasselbach und Stefan Erdmann im Dezember 2000 nach Dissen, um das Fahrzeug beim Hersteller zu übernehmen und nach Juist zu überführen.

Das alte LF 8 wurde Ende Januar 2001 zum Hafen gebracht, übernommen hatte es die Firma Schlingmann in Dissen, die es aufarbeitete und als Leihwagen für Feuerwehren als Übergangslösung einsetzte. Zuerst wurde es in Sachsen-Anhalt eingesetzt, später übernahm es eine Jugendfeuerwehr im Harz.

Für Juist stellte sich mit dem neuen Fahrzeug erst einmal ein neues Problem: Das Fahrzeug wog 9,8 Tonnen, wofür man einen LKW-Führerschein benötigte. Bisher waren alle Fahrzeuge maximal 7,4 Tonnen schwer, womit man sie mit den damaligen alten Klasse-3-PKW-Führerscheinen fahren durfte. Da die 7,5 Tonnen-Grenze weggefallen war, wurden die Fahrzeuge nun größer und schwerer. Nur Gerätewart Gerd Hasselbach hatte damals einen LKW-Führerschein der Klasse 2 und nur er durfte das LF fahren.

So mussten die damaligen Maschinisten einen entsprechenden Führerschein machen. Da die komplette Ausbildung zum C-Führerschein (vorher Klasse 2) zu aufwendig und auch unnötig war, sollte – wie bereits auf Langeoog – ein Führerschein gemacht werden, der nur für die Insel gültig war. Aber was auf Langeoog im Landkreis Wittmund problemlos ging, sollte auf Juist nicht möglich sein, denn der Landkreis Aurich stellte sich quer. Christina Malessa vom Ordnungsamt auf Juist wurde sehr eindringlich beim Kreis vorstellig, weil eine solche Ungleichbehandlung ein Unding sei. Gerd Rose kündigte indes an, er wolle medienwirksam in Hannover einen Antrag stellen, dass Juist dem Landkreis Wittmund zugeschlagen würde, schließlich willige die Auricher Kreisverwaltung ein.

Die Fahrschule Michael Nolting aus Esens sollte die Ausbildung durchführen, weil man dort Erfahrungen von Langeoog hatte. Bevor aber das Schild „Fahrschule“ an das neue Fahrzeug kam, musste Nolting beim Landkreis erst eine „Genehmigung zur Errichtung eines Filialbetriebes“ auf Juist beantragen. Schließlich konnte es los gehen und nach erfolgreicher Prüfung konnten elf Feuerwehrleute, darunter auch Gemeindebrandmeister Gerd Rose, das neue LF 8/6 fahren, womit der Feuerschutz auf Juist wieder vollumfänglich sichergestellt war. Einige Jahre später führte Nolting noch einmal einen weiteren Führerscheinlehrgang mit jungen Maschinisten auf Juist durch.

26 Jahre war das Fahrzeug bei allen größeren Einsätzen dabei, im Jahr 2001 kamen die ersten Frauen in die Juister Wehr, ihre Ausbildung erfolgte auf diesem Gerät, ebenso unzähligen Jugendfeuerwehrmänner im Laufe der Jahre. Nach mehr als zwanzigjähriger Dienstzeit beantragt die Feuerwehrführung einen Nachfolger für ein Fahrzeug, damit etwas Zeit ist, denn nach 25 Jahren sollten die alten Wagen dann ausgemustert sein.

Sicher wird nun die Frage gestellt, warum Juist sich von einem Fahrzeug trennt, was anderswo weiterhin seinen Dienst tut. Das hat schlicht und einfach mit der Insellage zu tun. Auf Juist befinden sich im Sommer mehr als 10.000 Menschen, es gibt sehr große Häuser und Hotels hier, so dass man zwei funktionsfähige Löschgruppenfahrzeuge als Mindestausstattung braucht. (Der Vorbeugende Brandschutz des Landkreises sieht die Notwendigkeit von drei Lfs, der Stellplatz dafür ist vorhanden, allerdings ist dafür die Personaldecke an Einsatzkräften zu dünn.) Nach mehr als 25 Dienstjahren werden Fahrzeuge reparaturanfällig, oft müssen diese dann zur Reparatur auf das Festland, und in der Zeit steht kein Ersatz auf der Insel zur Verfügung.

Die Gemeinde Sievershütten ist ländlich geprägt und hat rund 1.100 Einwohner. Der Gerätewart ist ausgebildeter KFZ-Meister, es gibt zahlreiche Werkstätten und eine FTZ in der Umgebung und wenn dort ein Fahrzeug mal ausfällt, wird auf dem Festland eine Feuerwehr bei der zuständigen Leitstelle vorübergehend „abgemeldet.“ Im Brandfall wird dann die Nachbarwehr alarmiert und entsandt. Alles Möglichkeiten, die auf einer Insel nicht gegeben sind.

Ende vergangener Woche fanden sich einige Feuerwehrmitglieder am Feuerwehrhaus ein, um dem Fahrzeuge nochmal eine Grundreinigung von außen und innen zu geben. Dabei kam etwas Wehmut auf, als der Schriftzug „Freiwillige Feuerwehr Juist“ und das Juister Wappen an den Türen entfernt wurde. Nun war das LF 8/6 endgültig „nackt“, denn die Feuerwehrtechnische Beladung war schon längst im Nachfolgefahrzeug, so dass nur noch das Mercedes-Fahrzeug mit der eingebauten Schlingmann-Pumpe übrig blieb.

Am Montagabend war der Abschied da, zusammen mit drei weiteren Fahrzeugen fuhr man zum Hafen. Hier brachten Gemeindebrandmeister Arend Janssen-Visser und Oberbrandmeister Stefan Erdmann das LF 8/6 dann auf die „Frisia II“. Erdmann, der inzwischen in der Altersabteilung der Wehr ist, legte besonderen Wert darauf, bei der letzten Fahrt von Juist dabei zu sein, denn nachdem Gerd Rose und Gerd Hasselbach schon seit längerer Zeit verstorben sind, ist er der letzte Juister Feuerwehrmann, der es damals mit in Dissen abgeholt und die erste Fahrt nach Juist damit machte. Erdmann gehörte auch zu den elf ersten Maschinisten mit dem Inselführerschein und das LF 8/6 war immer „sein Lieblingsauto“.

In Norddeich wurde das Fahrzeug dann von Mitarbeitern der FTZ in Georgsheil abgeholt, dort wird es zwischengelagert; zum langen Himmelfahrtswochenende hin wollen es dann Feuerwehrkameraden aus Sievershütten abholen und nach Schleswig-Holstein überführen. Sievershütten liegt ca. 50 Kilometer nördlich von Hamburg.

TEXT: STEFAN ERDMANN
FOTOS: STEFAN ERDMANN (7), AREND JANSSEN-VISSER (1), THOMAS VON DER LINDEN (2)