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Rat und Verwaltung: Stefan Görnert will versiegte Gesprächskanäle wieder öffnen
Gerne hätte man mindestens zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt auf Juist gehabt und auch eine entsprechende Veranstaltung mit der Kandidatenvorstellung dem Wähler angeboten. Doch es gibt mit Stefan Görnert nur einen Bewerber. Dieser stellte sich am Samstagbend im „Haus des Kurgastes“ vor; mehr als 150 Wahlberechtigte interessierten sich dafür und kamen in den großen Saal.
Moderiert wurde der Abend von Görnerts Nachbarn aus Wermelskirchen, dem Journalisten Dr. Armin Himmelrath (Spiegel und Deutschlandfunk), der die Sache sehr souverän und auch mit einer Portion Humor meisterte. Er entlockte Görnert zu Beginn einiges aus dessen Leben, z. B. dass er 61 Jahre alt ist, Jura studierte und derzeit als 1. Beigeordneter (in Niedersachsen 1. Stadtrat genannt) in Wermelskirchen tätig ist. Aber auch dass er aus seiner Berliner Zeit ein Fan von Hertha BSC Berlin ist, sein Hund Nala heißt, nur an seinem Gewicht biss sich Himmelrath die Zähne aus.
Ein Bürgermeister, der von außerhalb auf die Insel kommt, wie er das sieht? Görnert: „Positiv, denn man hat einen unverstellten Blick auf das Neue.“ Tourismus: Ihm ist dessen Bedeutung für die Insel klar und auch, dass er ebenfalls das Amt des Kurdirektors innehaben würde. Er sprach sich für eine Stärkung der Nebensaison aus, allerdings müsste Hotellerie und Einzelhandel da mitspielen. Auch müsse man ein gutes Verhältnis zwischen Qualität und Quantität finden und generell sei dann Masse nichts Negatives: „Eine gute Auslastung ist wichtig.“Auf die Frage einer Zuhörerin, ob sich Juist nicht stark in eine Luxusdestination entwickle, antwortete er, dass er diesen Eindruck nicht habe. Er habe bisher bei seinen vielen Besuchen auf der Insel immer noch ein gutes Angebot für jedes Gästeklientel gefunden.
Auch Görnert sieht bezahlbaren Dauerwohnraum für Insulaner und Fachkräfte als ein großes Problem an, es wären viele Zweitwohnungen gebaut worden, das sei für die Infrastruktur wenig hilfreich. Projekte die das „Bant Eyland“, das die Wohnungsbaugenossenschaft in Planung hat, gingen da in die richtige Richtung.
Stefan Görnert habe auch festgestellt, dass unbedingt Gespräche mit dem Land und dem Landkreis vonnöten sind, weil hier einiges im Argen liege: Angefangen bei einem Rettungsdienst, der vom Kreis nicht auskömmlich geregelt sei und zumindest in den Sommermonaten einen zweiten Rettungswagen samt Besatzung erforderlich mache. Auch dass der Landkreis keine Notwendigkeit für einen ÖPNV auf der Basis von Pferdekutschen und -bussen erkennt, sie für ihn nicht nachvollziehbar, hier müsse man die Interessen der Insel stärker vertreten.
Die Hafenbaggerungen bringen seit Jahren den kommunale Haushalt in Schieflage, die Insel haben sich vor vierzig Jahren für einen gemeindeeigenen Hafen entschieden, was wenig hilfreich sei und viele Nachteile mit sich bringe. Um Chancengleichheit für alle Inseln zu schaffen, müsse auch der Juister Hafen in die Trägerschaft des Landes überstellt werden. Es gäbe auch noch weitere Punkte, wo das Land gefragt sei. „Überall in der BRD statten die Länder die Kommunen finanziell nicht ausreichend aus, Niedersachsen sei dabei besonders extrem und lässt seine Kommunen im Regen stehen,“ stellte Görnert fest. Besonders für die Inseln, die über ein sehr hohes Steueraufkommen verfügen, bliebe nicht viel übrig, der notwendige Rücklauf fehle. Wichtig sei es hier, dass die Insel hier mit einer Stimme sprechen und gemeinsam in Hannover ihre Anliegen vortrügen.
Eine ehemalige Juister Fuhrunternehmerin bemängelte in dem Zusammenhang den Zustand der Straße zur Bill (Westspitze), ein Befahren sei teilweise sehr gefährlich. Ein anderer Zuhörer wies auf Mängel beim Inselschutz durch das Land hin, so öffne man an der Bill Dünentäler, wo bei starken Fluten wieder Wasser einlaufe. Görnert antwortete, dass ihm diese Problematiken bekannt seien, man müsste hier mit der verantwortlichen Landesbehörde NLWKN sprechen. Allerdings seien die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde begrenzt, weil das Land dort die Hoheit habe.
Eine andere Juisterin bemängelte den Schiffsfahrplan, es fehle die frühere Fahrplankonferenz unter Beteiligung der Gemeinde, so wurde der Fahrplan einfach gedreht und nun kommen die neue Gäste auf die Insel und dann erst können die abreisenden Urlauber die Insel verlassen. Görnert antwortete darauf mit einer versteckten Kritik auf den derzeitigen Inhaber des Bürgermeisteramtes: „Es sind wohl Gesprächskanäle in vielen Bereichen versiegt, auch mit der Reederei Norden-Frisia. Da muss einiges getan werden.“
Zuschauer sprachen auch eine fehlendes Verkehrskonzept für die Insel an, ebenso gäbe es Ratsbeschlüsse auf die Kompostierung von Pferdemist – dieser wird derzeit sehr kostspielig zum Festland verbracht – und vor 30 Jahren sei schon der Bau einer neuen Skaterbahn beschlossen worden, nichts davon sei umgesetzt worden. „Ich wundere mich auch, dass hier einiges noch nicht passiert ist“, so Görnert, aber die Fragen, warum die genannten Pläne und Beschlüsse nie umgesetzt wurden, könnten indes besser diejenigen beantworten, die in der Zeit in der Verantwortung standen.
Ein Juister sprach davon, ob es Görnert auch passiere, dass er etwas bespricht und sich nachher nicht mehr daran erinnere. „Man sollte schon das Ergebnis eines Gespräches nicht vergessen,“ so Görnert. Er selbst sei kein Freund von Gedächtnisprotokollen und er wundere sich in dem Zusammenhang, dass es z.B. keine Tonaufzeichnungen von öffentlichen Ratssitzungen gäbe, wie sie in anderen Kommunen schon lange angefertigt werden.
Sieht sich Stefan Görnert als Manager, das war eine Frage. „Auch eine Verwaltung muss gemanagt werden,“ antwortete dieser. Wichtig sei für ihn die Wertschätzung, die man seinen Mitarbeitern in der Verwaltung entgegenbringe, in Wermelskirchen habe er dadurch in seinen Arbeitsbereichen für eine gute Atmosphäre gesorgt.
Die angesprochenen Probleme seien allesamt bekannt, er habe bereits durch seine vielen Besuche und Gespräch alles auf dem Schirm, allerdings könne und wolle er nicht das Versprechen abgeben, dass zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit alles zur Zufriedenheit aller gelöst sei.
In seinem Schusswort äußerte Görnert eine Bitte: „Gehen sie zur Wahl!“ Wählen zu dürfen sei ein großes Privileg, es gehe ja nicht nur um das Bürgermeisteramt, sondern auch um den Gemeinderat, den Kreistag und dem Landrat. „Je höher eine Wahlbeteiligung, desto besser für die Demokratie,“ so der Bewerber weiter.
Er selbst sei nun bis nach dem Wahltag durchgehend auf Juist und freue sich auf viele weitere Gespräche. Zu erreichen ist er unter:
Telefon 0176 60015049
Email:moin@goernert-fuer-juist.de
Facebook: Stefan Görnert - Gemeinsam für Juist
Unser Foto zeigt Stefan Görnert (links) und Moderator Armin Himmelrath, das zweite Foto ist ein Blick in den Zuhörerraum.
TEXT UND FOTOS: STEFAN ERDMANN

