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News: Unangeleinte Hunde sind das Problem, nicht der Hundehaufen

Beigetragen von S.Erdmann am 15. Aug 2023 - 13:37 Uhr

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Am Sonntagmorgen (13. August 2023) gegen 8:00 Uhr hat eine Joggerin bei den Rettungsschwimmern einen Rehbock gemeldet, der sich auf einer Sandbank befand und zu ertrinken drohte. Sofort hat sich ein Rettungsschwimmer auf den Weg zu der genannten Position Höhe Hundestrand östlich von Turm 1 aufgemacht. Der Rehbock war nass und erschöpft. Er stand schon bis zur Brust im Wasser und versank mit den Beinen immer wieder im weichen Sand, so dass bei dem auflaufenden Wasser Eile geboten war. Der Rettungsschwimmer packte das hilflose Tier beherzt an dem Geweih und zog bzw. trug das Tier sicher durch den Priel an Land.

Leider war das Tier so erschöpft, dass die zuständige Jägerschaft, welche kurz darauf eintraf, nur noch das Tier erlösen konnte. Wie sich allerdings kurze Zeit später herausstellte, hatte das Tier frische Bissspuren am Spiegel (Gesäß), so dass, da wir keine Wölfe und Bären auf der Insel haben, vermutlich ein Hund zuvor das Tier angefallen hatte.

Wer zur Aufklärung dieses traurigen Ereignisses beitragen kann, möchte sich bitte bei uns oder der zuständigen Polizeidienststelle auf Juist melden. Zu erreichen unter:
Polizeistation Juist
Carl-Stegmann-Str. 1 | 26571 Juist
Tel.: +49 4935-921570
poststelle@pst-juist.polizei.niedersachsen.de

JNN sprach über diesen Fall auch mit Lutz Bohlen, Hegeringleiter auf Juist. Er hatte sich das Tier ebenfalls angesehen und bestätigte uns, dass der Rehbock von einem Hund angefallen war. Kein Einzelfall, wie er uns berichtete: „Immer wieder werden wir – aber nie von den Verursachern selbst – über angefallene Rehe und vor allem kleine Seehunde informiert.“ Zum Beweis zeigte er uns Fotos von Rehen mit offenen Wunden oder Seehunden, deren Achterläufe unter Blut waren. Bohlen: „Das ist typisch für einen Hund, die gehen immer hinten an die Tiere ran.“

Eigentlich müsste man diese Hundehalter mit den Fotos konfrontieren, aber selbst der Verfasser dieses Artikels musste sich von den Bildern abwenden, und wir möchten sie hier nicht zeigen, weil auch Kinder Zugang zu JNN haben.

Drei- bis viermal erleben wir so etwas in jedem Jahr, so Bohlen, und sicher gibt es eine hohe Dunkelziffer: „Die Rehe tauchen verletzt unter, wo man sie nicht sieht und wo sie nach ein paar Tagen dann qualvoll versterben.“ Die Unvernunft einer nicht unerheblichen Zahl von Hundehaltern, die sich nicht an das Leinengebot halten, sieht der Hegering als das große Problem an und nicht der nicht entsorgte Hundehaufen am Straßenrand, über den sich in den sozialen Medien in diversen Gruppen wieder und wieder in unzähligen Kommentaren ausgelassen wird mit dem Ergebnis, dass der Haufen gar nicht da sein kann, weil ihn ja jeder Hundebesitzer entfernt. Ebenso wie es den unangeleinten Hund nicht gibt.

Der Hegering selbst sitzt mit dem Problem indes relativ alleine da, so Bohlen. Zwar würden Verwaltung, Ausschüsse und Rat nicht müde werden, immer wieder Beschlüsse zu fassen und zu verkünden, wann, wie und wo das Anleingebot gilt, Kontrollen finden aber nicht statt. Bohlen: „Ordnungsamt und Polizei werden nur tätig, wenn eine Person eine konkrete Anzeige erstattet.“

Erwischt man die Hundehalter und macht sie darauf aufmerksam, bekäme man zumeist noch dumme oder pampige Antworten. Bohlen: „Den Herrchen oder Frauchen sind meistens gar nicht bewußt, dass es sich juristisch gesehen um eine Straftat, nämlich dem Tatbestand der Wilderei handelt, wenn die Hunde anderen Tieren nachstellen.“

Ein Beispiel an dummen Antworten ist ihm noch besonders im Sinn: „Ich habe den Herrn am Strand angesprochen und aufgeklärt, etwas missmutig leinte er seinen Hund an, um ihn nach zwanzig Meter schon wieder von der Leine zu lösen. Nachdem ich nun energischer wurde und mit dem Einschalten der Polizei drohte wurde mir gesagt, dieser Hund müsse frei laufen, es sei schließlich ein Trüffelhund.“

Wir möchten alles Hundehalter auf der Insel an dieser Stelle nochmal eindringlich an die Leinenpflicht erinnern, damit solche und ähnliche Unfälle nicht passieren. Und wenn Sie so etwas sehen, zögern sie nicht, den Hundehalter anzusprechen und ggf. auch die Polizei oder das Ordnungsamt der Gemeinde hinzuzuziehen.

TEXT: RETTUNGSSCHWIMMER JUIST/STEFAN ERDMANN
FOTO: RETTUNGSSCHWIMMER JUIST