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News: Die Post kommt auf neuen Wegen nach Juist
Bei der Versorgung der Insel Juist gab es in der letzten Zeit einige Veränderungen. Neben dem Wegfall der ganzjährigen Flugverbindung von Norddeich entfällt der tideunabhängige Transportweg per Flugzeug, die gesamte Hafenlogistik wird nicht mehr durch einen privaten Spediteur, sondern eine insulare Genossenschaft durchgeführt, der Gepäckservice der DB wird von Hermes und einem Juister Gepäckdienst übernommen, und auch beim Transport der Post hat es einige Veränderungen gegeben.
So geht die Post für Juist nicht mehr den jahrzehntelangen Weg, wobei in Norddeich die Postcontainer – dass sind kleine Anhänger – angeliefert, verladen und per Personenfähre zur Insel befördert wurden. Beim Umschlag im Norddeicher Hafen kam es zu zwei Unfällen, wobei es sich nicht um Bagatellen, sondern um sehr ernst zu nehmende Verletzungen von Umschlagmitarbeitern handelte. Daher kam der Wunsch der Post, die Zustellung sicherer zu machen und in bewährte Speditionshände zu geben. Jetzt wird die Post in einem LKW-Anhänger in Norddeich angeliefert, dieser wird per Frachtschiff nach Juist gebracht, dort wird die Post entladen und in die Postanhänger umgeladen, die jetzt nur noch zwischen Hafen und der Verteilerstation (Altes Postamt in der Friesenstraße) verkehren.
Für den Transport zeichnet jetzt die Norder Spedition Peter Janssen verantwortlich. „Die Frachtpost wird aus dem Frachtpostzentrum Bremen und die Briefpost aus Oldenburg unserem Lager zugeführt“, so Christopher Drenkhahn, Prokurist der Spedition Janssen. Man hole die Frachtpost sechsmal pro Woche in Bremen für die Insel Norderney mit eigenem Fahrzeug. „Gelegentlich werden freibleibende Kapazitäten auch mit Paketen für Juist aufgefüllt, in der Regel wird diese aber bei uns angeliefert,“ so Drenkhahn weiter. Auf jeden Fall werden Briefe und Pakete für Juist regulär zu jeder Frachter-Abfahrt verladen und mit eigenen Anhängern nach Juist gebracht.
Da die Post nun ausschließlich mit dem Frachtschiff transportiert wird, kommt am Samstag keine mehr. Da keine tägliche Zustellung auf der Insel mehr erfolgt, fiel das kaum auf, anders im Vormonat, als der Frachter über eine Woche nicht fuhr, wohl aber das Personenschiff. Es herrschte Unverständnis, dass die Reederei Norden-Frisia keine Post mit der Inselfähre transportierte. „An uns lag es nicht,“ stellte Fahrdienstleiter Ralf Ackermann auf Nachfrage fest. Man hätte es selbstverständlich möglich gemacht, die gesamte Post oder auch nur die Briefpost mit dem Fahrgastschiff mitzunehmen, aber, so Ackermann „es wurde weder von der Post noch von der Spedition Janssen ein entsprechender Wunsch geäußert.“ So blieb alles in Norden bis das Frachtschiff wieder fahren konnte.
Auch dauert es jetzt länger, bis die Post bei der Verteilerstation ist und in die Postfächer kommt. Früher wurden die gelben Postanhänger direkt von der Personenfähre gezogen und zur Poststation gebracht, jetzt aber erfolgt der Transport im Rahmen der Frachtabwicklung. Nach Ankunft des Frachters ist die Hafenlogistik der Juist – Infrastruktur und Wohnen eG für den Umschlag zuständig. Gerhard Jacobs von der Hafenlogistik führt dazu aus: „Die Inselgemeinde Juist schreibt in ihrer Genehmigung für den Frachtumschlag die Reihenfolge der Frachtgüter beim Umschlag vor. Lebensmittel für den Einzelhandel haben Vorrang. Danach Lebensmittel für weitere Empfänger. Im Anschluss werden übrige Frachten umgeschlagen.“
Die Post gehört somit zu den übrigen Frachten und ist also erst mit etwas Verzögerung an der Reihe. Mittels Gabelstapler werden die Rollis aus dem Janssen-Hänger geholt und in die Postanhänger umgeladen. Dabei ist vorsichtiges Handeln vonnöten, die die heutigen Anhänger sind sehr viel höher und können bei unsachgemäßer Handhabung (z.B. zu starkes Einschlagen der Deichsel/Vorderräder) leicht kippen. Aber die Mitarbeiter Tomek Meger und Waldek Zieminski machen das inzwischen mit großer Routine. Nach Beladung der Postwagen erhalten die Postmitarbeiter eine Whatsapp-Nachricht, dass die Wagen abholbereit sind. Die Umladung am Hafen passiert bei jedem Wetter, ergänzt Solveig Schmitz von der Hafenlogistik. Bei Regen nicht immer optimal, denn die Rollis mit der Paketpost sind nach vorne und oben offen.
Während der Saison dauert es meist länger als jetzt im Winter. Im Sommer kommen bedeutend mehr Lebensmittel mit dem Frachtschiff zur Insel, die bevorzugt umgeschlagen werden müssen, so Jacobs. Ebenfalls dauert es länger, weil die Post nicht mehr wie früher, alle vollen Anhänger hintereinander spannen kann, denn die Polizei akzeptiert nur maximal zwei Anhänger, d.h. es muss mehrfach zwischen Hafen und Post hin und her gefahren werden.
Auch bei Sendungen von der Insel funktioniert nun einiges anders, sie geht ebenfalls nur montags bis freitags mit dem Frachtschiff ans Festland. „Die abgehende Post soll eine Stunde vor der Ankunft des Frachters hier sein, denn nur dann haben unsere Mitarbeiter Zeit, diese auch in den Janssen-Hänger zu verladen,“ so Jacobs. Ist der Frachter erst einmal fest, gehen nicht nur die Lebensmittel vor, zudem muss zügig ent- und wieder beladen werden, damit das Frachtschiff noch mit derselben Flut wieder zurück nach Norddeich fahren kann.
Wie bekommt man noch eilige Post mit, ist eine Frage, die auf Juist oft gestellt wird. Besonders bei Michael Abel, der in seinem Laden „Elektro Abel“ auch eine Postfiliale betreibt. Zwar steht am Briefkasten bei der alten Post Leerung wochentags um 8:00 Uhr, aber wenn der Frachter erst später am Tag fährt, würde dieser Kasten auch noch später geleert. „Es ist nicht immer sichergestellt, dass Post, die während unserer Öffnungszeiten im Laden abgegeben wird, auch noch mitgeht,“ so Abel. Daher empfiehlt er grundsätzlich immer den Einwurf direkt in den Kasten an der alten Post.
Was nicht geht, ist die Post noch bei der Hafenlogistik im Hafen abzugeben. Jacobs: „Wir sind nicht befugt die Postbehälter zu öffnen und weitere Post hinzufügen. Die bekannten Aufgabepunkte wie der Briefkasten an der Post sind somit die einzigen und schnellsten Möglichkeiten für Ausgangspost.“
TEXT UND FOTOS: STEFAN ERDMANN

