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Insulaner teilen viele Probleme


(vel) - Die Liste der Themen des "Insularen Erfahrungsaustauschs", der am Dienstag und Mittwoch auf Norderney stattfand, war lang, und es zeigte sich, dass die Insulaner viele Probleme teilen. Turnusgemäß treffen sich halbjährlich die Hauptverwaltungsbeamten der sieben Ostfriesischen Inseln. Auf Norderney kamen in dieser Woche 24 Insulaner zusammen, darunter alle Bürgermeister: Holger Kohls (Wangerooge), Bernd Fiegenheim (Spiekeroog), Hans Janssen (Langeoog), Antje Wietjes-Paulick (Baltrum), Ludwig Salverius (Norderney), Dietmar Patron (Juist) und Kristin Mahlitz (Borkum). Salverius fasste anschließend den Austausch zusammen.
Ein Thema, das alle sehr umtreibe, sei die Gebietsabgrenzung in der Kartierung. In einem Nationalpark-Kompromiss von 2001 seien lokale Gegebenheiten wie Enklaven und Randgebiete berücksichtigt und Ausnahmen benannt worden. Jetzt habe der Landkreis signalisiert, dass diese Ausnahmen nicht generell anerkannt würden. Das Thema sei deutlich geworden bei der Frage um die Standortentwicklung zum Golfhotel Norderney. Aber auch andere Inseln seien mit ähnlichen Projekten betroffen. Die Kommunen wollten Sicherheit für die Bauleitplanung und die Inselvertreter wollen den Kreis nun dazu auffordern, Stellung zu nehmen.
Die Aussage des Kreises "verunsichert uns erheblich", so Salverius.
Die Sicherung von Wohnraum für Insulaner habe bei der Besprechung einen größeren Raum eingenommen, es sei ein "interessantes Thema mit vielen Facetten". Gegen  Zweitwohnungen auf den Inseln sei leider nichts zu unternehmen, waren sich die Insulaner einig. Der "Wegverkauf in Zweitwohnungen" lasse sich nicht aufhalten. Auf den kleineren Inseln sei die Problematik deutlicher spürbar, während es auf Norderney einen größeren Bestand von Mietwohnungen gebe. Demnächst soll es auf Spiekeroog ein Treffen der Fachleute aus den Bauämtern dazu geben. Die Frage sei, so Salverius, ob die Bewertung der Zweitwohnungsproblematik richtig sei, oder ob es als neutrale Entwicklung gesehen werden könne. Auf Norderney bestehe keine Gefahr, dass es zu einem Museumsort werde, da der gewerbliche Bereich stark vertreten sei.
Die Inselvertreter sprachen weiterhin über die medizinische Versorgung der Inseln. Dabei zeige sich, dass je kleiner die Inseln seien, die Problematik umso größer werde. In dem Zusammenhang wurde auch über die Versorgung älterer Mitbürger gesprochen. Während es auf Norderney, Borkum und Langeoog feste Einrichtungen gibt, kann die Betreuung auf den anderen Inseln nur bis zu einem gewissen Punkt durch Pflegedienste abgedeckt werden. Vielen Insulanern bleibt nur der Umzug aufs Festland.
Die Genehmigung von Kite-Surf-Flächen um die Inseln ist, laut Salverius, "ein Thema, was eigentlich keines ist": "Wir erwarten, dass die Nationalparkverwaltung zu einer ausgewogenen Reglung im Interesse von Sport und Naturschutz kommt."
Die Prädikatisierung aller Inseln werde voraussichtlich im Herbst abgeschlossen. Die Auszeichnung als Unesco-Weltnaturerbe hingegen sei in ihrer Wertigkeit bei der Bevölkerung noch nicht angekommen, so Salverius. Hier seien "ganz klar Land und Bund gefordert", ein gemeinsames Konzept zu erstellen.
Der Generalplan Küstenschutz Inseln sei fertig und läge im Umweltministerium zur Abstimmung vor, so Salverius. Der Plan soll im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Mit der Fortschreibung des "Wattenmeerplans 2010" könnten die Inselvertreter "gut leben". Für die 11. Trilaterale Wattenmeerkonferenz vom 17. bis 19. März auf Sylt habe die Inselvereinigung Euregio gefordert, eine Beobachterstelle beim "Wadden Sea Board" zu erhalten.  Die Inseln seien verärgert darüber, dass die Euregio lediglich über das Wattenmeerforum vertreten sein soll.  
Die Vertreter einigten sich darauf, eine gemeinsame Kooperationsstelle aller Inseln  für den Bereich Umwelt und Naturschutz einzurichten. Die Stelle soll bei der Stadt Norderney angesiedelt sein und bald ausgeschrieben werden. Einig waren sie sich auch darüber, die Ehrenamtskarte auf den Inseln nicht einzuführen.
Als ein reines  Norderneyer Problem stellte sich der aktuelle hohe Kaninchenbestand heraus. Während die östlichen drei Inseln überhaupt keine Kaninchen hätten, gäbe es mit den Tieren auf den anderen Inseln keine Probleme. Scherzhaft wurde angeregt, eine gemeinsame Jagd auf Norderney durchzuführen. Das könnte bei einer Videokonferenz besprochen werden - sofern die Technik mitmacht. Zurzeit werden Systeme getestet, die zukünftige virtuelle Treffen ermöglichen und den Inselvertretern lange Wege ersparen könnten. Doch ein Insularer Erfahrungsaustausch wird auch weiter stattfinden: Der nächste ist für Herbst eine Insel weiter westlich auf Juist geplant.


BU:

Insularer Erfahrungsaustausch: Die Teilnehmer beim Fototermin am Mittwoch vor dem Norderneyer Conversationshaus.

Foto: Leidig

geschrieben von: Norderneyer Morgen am 11. März 2010
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